
Das Elend der Strassenkinder von Boca Chica
Haitianische Kinder und Jugendliche: geflüchtet, gejagt und ausgebeutet.
Haitianische Kinder und Jugendliche – geflüchtet, gejagt und ausgebeutet:
Ihre Eltern sind gestorben oder haben sie aufgegeben. Vor der unerträglichen Bandengewalt in Port-au-Prince und anderen Städten sind die Buben in die dominikanische Republik nach Boca Chica geflüchtet. Dort leben sie illegal auf der Strasse; gejagt und ausgebeutet von der Migrationspolizei. Werden sie gefasst, müssen sie sich freikaufen oder werden an die haitianische Grenze deportiert.
Dort aber erwarten sie Gewalt, Hunger und unter Umständen Zwangsrekrutierungen durch die Banden in Port-au-Prince. So kämpfen sie in Boca Chica tagtäglich einen hoffnungslosen Kampf ums Überleben. In der Nacht flüchten sie unter Autos oder nächtigen schutzlos in Parks. Sie sind eine Gruppe von rund 28 Kindern und Jugendlichen, der jüngste gerade 13 Jahre alt. Niemand will sie. Keiner kümmert sich um sie.
Viele der Kinder und Jugendlichen würden gerne zurück nach Haiti, doch weder haben sie die Mittel dazu noch wissen sie, wohin sie gehen sollten. Sie fürchten die allgegenwärtige Gewalt der marodierenden Banden, die das Leben der Bewohner in weiten Teilen Haitis in eine Hölle verwandelt haben. Bis dato gelang es uns, zwei der Kinder zu repatriieren. Jeison und David, nahmen den beschwerlichen Weg quer durch die Dominkanische Republik nach Cap Haitien auf sich.
Dort wurden sie von unserem Leiter, Pierre David in Empfang genommen. Aufgrund der bürgerkriegsähnlichen Zustände in Port-au-Prince, ist der Landweg verwehrt. Somit mussten wir sie nach Les Cayes ausfliegen.

Die Veränderung ist eindrücklich: Das erste Bild zeigt Jeison und David in Boca Chica; die Erschöpfung ist sichtbar. Das zweite Bild zeigt die Beiden, nachdem sie von Pierre David in Cap Haitien in Empfang genommen wurden.


Haiti: Eine Vision wird Wirklichkeit: «Lakay», das Zuhause für 28 Strassenkinder in Les Cayes
Dank einer grossen Einzelspende konnten wir eine geeignete Liegenschaft mieten. Das Haus ist mit 28 Kinder- und Jugendlichen rappelvoll. Täglich begegnet Pierre David Strassenkindern, die um Aufnahme ins Heim betteln. Auch die Polizei trat mit dem gleichen Anliegen an unseren Leiter heran. Wochenlang war ein elternloses Kind, das aus Port-au-Prince geflüchtet war und auf den Strassen von Les Cayes gestrandet ist, in einer Zelle eingesperrt. Die Beamten baten darum, das Kind aufzunehmen.
Pierre David entsprach der Bitte. Ein engagiertes Team von 5 Personen kümmert sich um die Bedürfnisse der lebendigen Kinderschar. Die Strassenkinder wissen: Wer im Heim aufgenommen wird, der muss in die Schule. Viele der Kinder kommen in einem schlechten gesundheitlichen Zustand im Heim an. Einer der Buben lebte während Wochen mit einem gebrochenen Ellbogen auf der Strasse. Eine angemessene medizinische Versorgung ist selbstverständlich. Gleichzeitig ist dies eine zusätzliche finanzielle Herausforderung.
Zurzeit müssen wir für den Unterhalt des Heims (Vollkosten) rund 6600 Franken aufbringen. Wir schätzen, dass zurzeit noch weit über 100 Kinder und Jugendliche auf den Strassen von Les Cayes einen ermüdenden Überlebenskampf führen. Daher haben wir eine grosse Vision: Wir planen einen Neubau eines Kinder- und Waisenhauses für rund 100 Kinder. Schon bald werden wir über dieses Projekt an dieser Stelle informieren können.



